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Interaktives Geschichtenerzählen: Warum und wie wir Geschichten erzählen

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German (Deutsch) translation by Elisabeth Prott (you can also view the original English article)

Das Erzählen von Geschichten

Eine der Hauptbeschäftigungen der Menschheit ist das Erzählen von Geschichten. Wir alle erzählen Geschichten.

Wenn wir unserem Partner beim Abendessen davon berichten was wir den Tag über erlebt haben, erzählen wir eine Geschichte. Wenn wir in der Kneipe unseren Freunden unsere Probleme bei der Arbeit schildern, erzählen wir eine Geschichte.

Jeden Tag sind wir auch passive Zuhörer von Geschichten anderer Menschen.

Wenn wir ein Buch lesen, erzählt uns der Autor eine Geschichte. Wenn wir einen Werbespot im Fernsehen sehen, erzählen uns die Werbeleute eine Geschichte. Wenn wir ein Lied hören, erzählt uns der Sänger eine Geschichte.

Wenn man darüber nachdenkt, erschaffen wir jeden Tag Geschichten und hören uns Geschichten an. Die ganze Welt ist eine Kakophonie von Geschichten, die zusammengemischt werden und von einer Person zur anderen wandern, in einer endlosen Spirale von Geschichten, Erzählungen und Anekdoten.

Wir sind Geschichten, die wiederum andere Geschichten erzählen.

All diese Geschichten werden erzählt und man hört ihnen zu, weil das Erzählen von Geschichten ein Bedürfnis ist.

Das war schon immer so.

Von Anbeginn der Menschheit hat der Mensch Geschichten erzählt.

Das Erzählen von Geschichten ist eine Tätigkeit, die die Menschheit schon ausgeübt hat, bevor Sprache und Schrift überhaupt erfunden wurden.

Rock paintings

Aber was ist unser Beweggrund, wenn wir Geschichten erzählen? Und wie lässt sich all dies auf die Realisierung eines Computerspiels übertragen?

Die Reihe Interaktives Geschichtenerzählen wird sich mit diesem Thema befassen, die Mechanismen des klassischen und modernen Erzählens untersuchen und Ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um eine interaktive Geschichte zu erzählen.

Warum wir Geschichten erzählen

Geschichten zu erzählen kann unterschiedliche Bedeutungen und Ziele haben. Manchmal ist eine Geschichte eine Möglichkeit, eine Tatsache zu erzählen; manchmal ist sie eine Möglichkeit, unsere Ängste auszudrücken; in anderen Fällen erzählt jemand eine Geschichte nur zum Spaß.

Geschichten zu erzählen ist eine Möglichkeit, unsere Persönlichkeit und Kreativität auszudrücken und Aspekte unserer Gedanken zu zeigen, die wir sonst nicht ausdrücken könnten.

In der Tat sind das Erzählen von Geschichten und die Kommunikation von Fakten zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Wenn wir Fakten vermitteln und präsentieren, stellen wir einfach die entsprechenden Ereignisse dar. Genau das tun Journalisten zum Beispiel: Sie stellen die Fakten so dar, wie sie sich zugetragen haben, ohne persönliche Details, Meinungen oder Gefühle. Auf diese Weise können sich die Zuhörer selbst ein Urteil bilden.

Aber wenn wir eine Geschichte erzählen, wird die Erzählung persönlich: Wir teilen unsere Meinungen mit (auch nur indirekt, durch einen Blick oder Tonfall - oder, wenn Sie wie ich Italiener sind, durch Gesten), wir betonen Details, die uns wichtig sind, und im Allgemeinen filtern wir die Fakten durch unsere Sichtweise und unseren kulturellen Hintergrund.

Irgendwie passen wir die Geschichte, die wir erzählen, so an, dass unser Publikum die Botschaft erhält, die wir vermitteln wollen, und nicht einfach eine Liste der Ereignisse. Wir wollen nicht, dass sich unsere Zuhörer ihre eigene Meinung bilden; wir wollen ihnen in erster Linie unsere eigene mitteilen.

Und wir tun dies, weil wir wollen, dass unsere Erzählung eine Reaktion hervorruft.

Why We Tell Stories

Quelle: http://www.onespot.com/blog/infographic-the-science-of-storytelling/

Wir wollen, dass die Menschen, die unserer Geschichte zuhören, Spaß haben oder sich berührt fühlen. Oder dass sie mit uns mitfühlen, wütend werden oder uns trösten. Selbst wenn wir nicht das Thema der Geschichte sind, erzählen wir sie, um bei der anderen Person eine emotionale Reaktion hervorzurufen - vielleicht, um Gefühle zu teilen.

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben

Beispiel 1: Sie sitzen in einer Kneipe an der Bar und sehen fern. Ein Journalist erzählt von Korruption bei einem bekannten Unternehmen und erklärt, dass als Folge davon viele Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

Reaktion: Die Informationen werden auf neutrale Weise präsentiert, und Sie verarbeiten sie entsprechend Ihrer persönlichen Situation und entscheiden, wie Sie darauf reagieren. Wenn Sie Arbeitnehmer sind, werden Sie Empathie und dann Wut empfinden. Wenn Sie Schriftsteller sind, werden Sie möglicherweise neugierig, und vielleicht wollen Sie einen Artikel über die Geschichte schreiben. Wenn Sie ein wohlhabender Unternehmer sind, überlegen Sie sich vielleicht, ob sie das Geschäft des korrupten Unternehmers einfach übernehmen können. Was auch immer die Reaktion ist, es hängt ganz von Ihnen ab.

An example of a story

Beispiel 2: Ein paar Minuten später kommt ein Mann und setzt sich neben Sie an die Bar. Er beginnt zu reden und erzählt Ihnen, wie verzweifelt er ist, weil er einer der Arbeiter ist, die ihren Arbeitsplatz verlieren, und weil er eine Tochter in der High School hat und eine Hypothek zu bezahlen hat.

Reaktion: Die Informationen werden Ihnen nun so präsentiert, wie es Ihr Gesprächspartner beabsichtigt hat. Seine Geschichte ist voller Wut und Enttäuschung. Sie verarbeiten sie entsprechend Ihrer persönlichen Situation, aber Sie werden von der Art und Weise beeinflusst, wie die Geschichte erzählt wurde. Ihre Reaktion kann ähnlich wie die im ersten Beispiel beschriebene sein oder auch anders ausfallen, da sie beeinflusst wurde von dem Mann, der die Geschichte erzählt hat.

Je besser der Erzähler in der Lage ist, Geschichten zu erzählen, desto mehr wird er seine Zuhörer beeinflussen können.

An example told from a narrator

Zusammenfassend können wir also sagen, dass wir eine Geschichte erzählen, um eine Botschaft zu vermitteln, mit dem Ziel, eine Reaktion bei den Zuhörern zu provozieren.

Wie wir Geschichten erzählen

Die Instrumente des Geschichtenerzählens

Wir benutzen Hilfsmittel, um unsere Geschichten zu erzählen: Diese Hilfsmittel sind nicht nur Bleistift und Papier oder ein Mikrofon. Wie wir noch genauer sehen werden, gibt es Werkzeuge, die wir oft benutzen, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Zum Beispiel ist die Modulation der Stimme beim Erzählen einer Geschichte ein soches Hilfsmittel. Die Betonung eines Wortes und die Beschleunigung oder Verlangsamung der Erzählung sind alles Mittel, um unsere Zuhörer dazu zu bringen, so zu reagieren, wie wir es wollen. Als Erzählerinnen und Erzähler haben wir die Macht, die Reaktionen unserer Gesprächspartner auf unser gewünschtes Ziel hin zu lenken.

Als professionelle Geschichtenerzähler (denn diese Artikel sollen Ihnen gerade Tipps geben, damit Sie die Konzepte des Geschichtenerzählens auf Produkte wie Computerspiele anwenden können), haben wir die Pflicht, dies zu tun.

Wir sollten keine Geschichten schreiben, ohne zu wissen, wohin wir die Spieler führen oder welche Art von Reaktion wir bei ihnen provozieren wollen: sonst wird unsere Erzählung sehr schwach werden.

Und um das Beste daraus zu machen, müssen wir die uns zur Verfügung stehenden Instrumente richtig beherrschen.

Interdisziplinäre Erfahrungen

Die erste Gruppe von Instrumenten sind interdisziplinäre Erfahrungen. Als Erzähler eines Computerspiels können wir viele verschiedene Möglichkeiten nutzen, um Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel Hintergrundmusik. Oder die Beleuchtung in einer Szene; oder die farbliche Korrektur der Spielkamera.

Aber um diese Instrumente nutzen zu können, müssen wir sie beherrschen. Der Rat, den ich Ihnen deshalb geben möchte, ist sich selbst ein wenig mit diesen Instrumenten vertraut zu machen. Sie sind ein Game Designer, kein Künstler oder Sounddesigner. Nichtsdestotrotz sollten Sie sich nicht völlig im Unklaren darüber sein, wie diese Instrumente funktionieren. Wenn Sie die Grundregeln des Regieführens ignorieren, werden Sie eine Szene schreiben, der es an Rhythmus fehlt oder die Wendungen nutzt, die nicht geeignet sind, dem Spieler die beabsichtigte Botschaft zu vermitteln.

Wenn Sie in einem sehr großen Team arbeiten, wird es natürlich Leute geben, die sich auf diese Bereiche spezialisiert haben - und sie werden wahrscheinlich über das Endergebnis in Bezug auf diese Aspekte entscheiden. Wenn Sie jedoch ein gewisses Wissen über diese Fachgebiete haben, können Sie eine gemeinsame Basis schaffen und konstruktiv mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen vorschlagen, wie Ihre Vision als Autor der Geschichte aussieht.

Wenn Sie zum Beispiel in einer Spielsequenz Angst oder Furcht oder Unbehagen vermitteln wollen, können Sie bestimmte Arten von Hintergrundgeräuschen verwenden oder einen bestimmten Kamerawinkel nutzen. Dazu müssen Sie jedoch wissen, wie sich die Einstellung des Kamerawinkels auf die Reaktion des Spielers auswirken kann. All dies ist Teil des Geschichtenerzählens: Kamera, Musik, Geräusche, Farben, all dies sind Werkzeuge, die es zu nutzen gilt.

A screenshot from Journey

Eine Reise hat eine Richtung, die in Bildern und Farben die Geschichte erzählt.

Je mehr Sie also darüber wissen, desto besser.

Erfahrungen aus dem Leben

Die zweite Gruppe von Instrumenten sind Lebenserfahrungen. Wenn ich Game Design unterrichte, fällt mir als erstes auf, dass die Studierenden sich selbst als potenziell gute Game Designer betrachten, weil sie viel spielen. Es ist natürlich klar, dass es wichtig ist, häufig zu spielen und den relevanten Markt zu kennen. Aber nur zu spielen macht Sie zu einem schlechten Erzähler, weil Sie wahrscheinlich das wiederholen, was Sie in einem anderen Spiel gesehen haben.

Wenn man stattdessen ganz andere Dinge tut als zu spielen, erweitert man sein Wissen und seine kulturelle Kompetenz.

Eines der Geheimnisse des guten Geschichtenzählens ist sein Publikum zu kennen. Und infolgedessen muss die Art und Weise des Erzählens so angepasst werden, dass sie Ihr Zielpublikum so gut wie möglich erreicht.

Wenn Ihr Zielpublikum aus Opernliebhabern besteht, sollten Sie sich zunächst zehn Vorstellungen in der Oper ansehen. Und nicht nur das. Sie sollten wandern, mit dem Kanu fahren und ein Bild malen.

Warum?

Weil Sie neue und andere Hilfsmittel und Wege im Umgang mit dem Erzählen lernen werden, die Ihre Möglichkeiten des Geschichtenerzählens erweitern werden. Je mehr Sie wissen und je mehr Sie studiert oder ausprobiert haben, desto besser werden Sie im Geschichtenerzählen sein.

Der Mensch und die Tiere

Geschichten erfinden

Einer der Hauptunterschiede zwischen Mensch und Tier ist die Fähigkeit, eine Geschichte zu erzählen. Viele Tiere sind in der Lage, untereinander zu kommunizieren und sich gegenseitig Informationen über den Ort von Nahrung oder eine Gefahrenquelle zu übermitteln.

Doch genau wie wir sind auch Tiere in der Lage, sich selbst Geschichten zu erzählen. Ein Tier kann sich eine Geschichte in seinen Träume erzählen. Vor kurzem habe ich meine Katze beobachtet. Wenn sie schläft, macht sie oft die gleichen Geräusche und Mundbewegungen wie bei der Jagd nach Käfern im Haus. Ich habe ein wenig nachgeforscht und Veröffentlichungen gefunden, die nachweisen, dass Katzen Dinge träumen, die so nie passiert sind.

Aber der große Unterschied zu unseren Träumen ist, dass Tiere nichts mit ihrer Phantasie erfinden können. Ihr Traum, auch wenn er sich nie wirklich ereignet hat, basiert auf Fakten. Wir hingegen können träumen und Geschichten erfinden, die auf Dingen basieren, die nicht nur nie passiert sind, sondern auch nicht geschehen können (wer hat nicht schon mal davon geträumt irgendeine Superkraft zu besitzen!).

Die Vorstellungskraft ist also das dritte Instrument, welches uns zur Verfügung steht, um Geschichten zu erzählen. Wir können sie erfinden und glaubhaft erzählen - manchmal so lange, bis unsere Zuhörer davon überzeugt sind, dass das, was wir erzählen, die Wahrheit ist. Ich denke, dass die Politik auf diesem Prinzip beruht... aber ich bin kein Experte in der Politik.

Zusammenarbeit

Der andere große Unterschied zwischen uns und den Tieren ist die Fähigkeit, auf den Ideen anderer aufzubauen, und zwar in kooperativer Zusammenarbeit.

Ein Beispiel: Eine Ameise ist in der Lage, einer anderen Ameise mitzuteilen: "Es gibt weiter in dieser Richtung Futter". Aber eine dritte Ameise kann, wenn sie das Gespräch betrachtet, nicht hinzufügen: "Und wenn Ihr noch weiter geht, findet Ihr Wasser." Die dritte Ameise muss eine neue Kommunikation beginnen um ihre Botschaft zu vermitteln. Das scheint nur eine kleine Einschränkung zu sein, aber es ist tatsächlich der Grund, warum die Menschheit so grosse wissenschaftliche Fortschritte erzielen konnte. Denn wenn wir etwas studieren, dann fangen wir auf der Grundlage dessen an, was andere erforscht und nachgewiesen und vermittelt haben, zum Beispiel in Büchern. Wir müssen nicht bei Null anfangen und können uns auf den nächsten Schritt konzentrieren.

Das ist eine Möglichkeit, kooperativ Geschichten zu erzählen. Die Zusammenarbeit, die unser viertes Instrument darstellt, ist eine Form der Interaktion.

Und wir können Interaktion so definieren: ein gegenseitiger Austausch von Informationen zwischen zwei Parteien mit Hilfe eines Kommunikationsmittels.

Geschichtenerzählen in Computerspielen

Nach dieser langen Prämisse können wir uns schließlich mit dem Kern des Themas befassen: warum und wie man in einem Computerspiel Geschichten erzählt. Wir haben erläutert, was Geschichtenerzählen bedeutet, was der Zweck des Geschichtenerzählens ist und welche Instrumente wir verwenden können, und wir haben auch eine Definition des Wortes interaktiv gegeben. Was wirklich wichtig ist, denn mit der Geburt der Computerspiele ist eine Erzählform, die früher als "experimentell" galt, tatsächlich zu einer der beliebtesten und relevantesten Arten des zeitgenössischen Erzählens geworden: das interaktive Geschichtenerzählen.

Und das ist der Grund, warum das Geschichtenerzählen in Computerspielen so wichtig ist: denn so wie man in einem Computerspiel Geschichten erzählen kann, kann man sie mit keinem anderen Medium erzählen.

Videospiele ermöglichen es Ihnen sogar, Botschaften zu organisieren und Reaktionen zu provozieren, die so komplex und kraftvoll sind, dass sie das Erzählen zu einer einzigartigen und in vielerlei Hinsicht neuen Erfahrung machen.

Interactive Story Telling on Netflix

Ja, interaktives Geschichtenerzählen wird auf jeden Fall eines der neuen "ganz großen Themen " in der Zukunft sein.

Zusammenfassung

Der Mensch erzählt seit ewigen Zeiten Geschichten, aber erst seit es Computerspiele gibt, begann er, interaktive Geschichten zu erzählen.

Doch wie sieht eine klassische Erzählung aus? Und wie unterscheidet sich eine Geschichte beim Computerspiel von einer klassischen Erzählung? Und schließlich: Wie viele Arten des interaktiven Geschichtenerzählens gibt es?

Der nächste Artikel wird diese und andere Fragen beantworten.

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